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Meldung vom 19. Juli 2019

Neue Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ zum Schwerpunkt Vergessene Opfer erschienen

Wer gilt wann als Opfer? Und: wer entscheidet eigentlich darüber?

Die neue Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ thematisiert die Schicksale und den Alltag vergessener Opfer(gruppen). Die Beiträge des Heftes erstrecken sich dabei auf beide deutsche Diktaturen im 20. Jahrhundert und reichen bis in unsere Gegenwart.

Gerade in der Frage, wer als Opfer staatlich anerkannt und entschädigt wird, prallen die Befunde der Forschung auf die Erfahrungen der Betroffenen. Am Beispiel des Ende 2018 beendeten „Fonds Heimerziehung“ wird deutlich, dass die als Entschädigung deklarierten Sachersatzleistungen den erlittenen Schaden in den Augen der Antragsteller kaum lindern, sondern oft erneut stigmatisieren. Die langjährigen Verfahren in Behörden und vor Gerichten erzeugen nicht selten eine zweite Leidensgeschichte. Doch der Kampf mit Antragsfristen und Rehabilitierungsverfahren ist auch heute noch, 30 Jahre nach Ende der DDR, für viele Menschen Realität – nicht wenige haben inzwischen aufgegeben. Für Betroffene geht es aber um weit mehr als „nur“ um materielle Aspekte: Sie wollen sich nicht ein Leben lang in die Rolle des Opfers drängen lassen, sie möchten selbstbestimmt und Handelnde ihrer Biografie sein.

Am Beispiel des Durchgangsheims Schmiedefeld bei Neuhaus stellt der als Künstler und Kurator tätige Manfred May seine Forschungen zur Heimerziehung in der DDR vor. Parallel erscheint die von ihm herausgegebene Buchreihe „edition H“, die Selbstzeugnisse ehemaliger Heimkinder sammelt: nüchtern, eigen, unpathetisch, verstörend. Die sozialen Benachteiligungen und erheblichen Spätfolgen bei vielen Betroffenen zeigen, dass zerstörte Biografien nicht mehr repariert werden können. Einige Überlebende finden aber durch künstlerische Mittel einen Weg der Verarbeitung, wie May in seinem Text erläutert.

Weitere Beiträge des Heftschwerpunktes beleuchten die politische Verfolgung der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen, die zweifache Enteignung eines jüdischen Hotelbesitzers in Binz auf Rügen, den Kampf mosambikanischer Vertragsarbeiter („Madgermanes“ genannt) um durch die DDR einbehaltene Lohnanteile, die Suche nach in Speziallagern und Gefängnissen der Nachkriegszeit geborenen Kindern sowie die behördliche Ausweisung von als „asozial“ stigmatisierten Personen aus dem Wismutgebieten Anfang der 1950er Jahre.

 

Das Inhaltsverzeichnis und Leseproben des Heftes finden Sie hier.

Die neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ (Heft 91) ist ab sofort im Buchhandel oder direkt bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Meldung vom 01. Juli 2019

Aufruf an unsere Crowd: Helft uns mit Eurer Spende bei die Herausgabe einer Sonderausgabe der "Gerbergasse 18"

Im Herbst 2019 möchte die Geschichtswerkstatt Jena ein Sonderheft der Zeitschrift "Gerbergasse 18" herausbringen. Darin sollen Ergebnisse und Befunde der seit 2015 tätigen unabhängigen Arbeitsgruppe zum Tod von Matthias Domaschk, der 1981 in Räumen des Stasi-Gefängnisses von Gera umkam, vorgestellt werden. Aber auch Beiträge von Freunden und Weggefährten sowie unbekannte Fotos, Dokumente und ein Film als Beilage werden in der Ausgabe enthalten sein.

Für die Herausgabe suchen wir noch eine stabile Finanzierung und bitten die Crowd, also Euch alle, um etwas Unterstütung. Über das neue Portal JENA CROWD gibt es eine optimale Möglichkeit, Ideen und Projekte durch viele Menschen zu unterstützen. Das Besondere daran: Bei einem Spendenbetrag ab 10 Euro erhöhen die Stadtwerke Jena den Betrag um weitere 10 Euro. Allerdings können wir das Spendengeld am Ende nur verwenden, wenn die Zielsumme erreicht wird.

Hier geht es zu unserer Projekt-Seite: www.jena-crowd.de/matthias-domaschk

Die Crowdfunding-Aktion läuft (nur) bis zum 18. Juli – wir freuen uns über jeden Betrag.

Und: Natürlich bekommt Jede/r, der uns unterstützt, im Herbst ein gedrucktes Sonderheft von uns zugeschickt. Als Bonus für alle Interessierten sind auch eine Reihe von reizvollen Prämien eingestellt – bis der Vorrat reicht.

 
 
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