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Meldung vom 14. Juni 2019

Zeitschrift „Gerbergasse 18“ mit einem Sonderpreis des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises 2019 ausgezeichnet

Gruppenbild zum Karl-Wilhelm-Fricke-Preis 2019 mit allen Preisträgern und der Jury.

Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Am 13. Juni wurde die Zeitschrift „Gerbergasse 18. Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik“ mit einem Sonderpreis des Karl-Wilhelm-Fricke-Sonderpreises 2019 ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Schriftsteller Marko Martin. Zwei weitere Sonderpreise gingen an den Politiker Hartmut Büttner sowie an die Autorin Ines Geipel, den Hauptpreis erhielt die Initiative Geschlossener Jugendwerkhof Torgau.

Im Folgenden dokumentieren wir die Dankesrede des Vorstandsvorsitzenden der Geschichtswerkstatt Jena, Dr. Henning Pietzsch.

Im Namen der Geschichtswerkstatt Jena danke ich der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Preisstifter Dr. Burkhart Veigel und der Jury für die Nominierung und Anerkennung des Karl-Wilhelm-Fricke-Sonderpreises an die Redaktion unserer Zeitschrift „Gerbergasse 18“.

Dieser Preis bedeutet für uns Auszeichnung und Förderung zugleich – und: er macht uns stolz.

Ohne weitere Förderer wäre unsere Arbeit jedoch in dem Umfang kaum möglich. Unterstützung für das Projekt „Gerbergasse 18“ erhalten wir neben der Bundesstiftung Aufarbeitung auch von:

- der Thüringer Staatskanzlei

- dem Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

- der Stadt Jena

Schon im vergangenen Jahr stellte Dr. Robert Grünbaum, stellvertretender Geschäftsführer der Bundesstiftung Aufarbeitung, in einem MDR-Interviev zum 20. Jahrestag des Bestehens der Bundesstiftung auf die Frage „Gibt es Leuchtturmprojekte, zu denen die Bundesstiftung viel beigetragen hat?“ heraus: „Wir haben die Robert-Havemann-Gesellschaft in Berlin maßgeblich unterstützt – das herausragende, unabhängige Archiv zur Oppositionsgeschichte der DDR. Das könnte ohne die Bundesstiftung nicht existieren. Außerdem wird die Umweltbibliothek Großhennersdorf von uns seit vielen Jahren regelmäßig unterstützt. Auch die Geschichtswerkstatt Jena und die dort herausgegebene Zeitschrift Gerbergasse zählt zu unseren wichtigen Förderprojekten.“

Aber auch zum Preisstifter hat die Zeitschrift eine Verbindung. Unser Autor Thomas Purschke schrieb schon 2013 über ihn und seine dramatische, gefährliche und abenteuerliche Fluchthelfergeschichte einen Beitrag mit dem Titel „Mit einem Cadillac in die Freiheit: Wie Burkhart Veigel DDR-Flüchtlinge in den Westen holte." (in: Gerbergasse 18, Heft 69, Ausgabe 4/2013). Burkhart Veigel verhalf zwischen 1964 und 1967 rund 200 Menschen zur Flucht aus der DDR.

Besonderer Dank gilt an einem solchen Tag aber vor allem den bisherigen und aktuellen Mitarbeitern der Redaktion, momentan Daniel Börner und Katrin Sauerwein. Ohne ihr großes Engagement wären viele Aufgaben unseres Vereins kaum umsetzbar. Dank gilt auch Sonja Kalmanfi, die seit dem Jahr 2012 Satz und Layout der Zeitschrift betreut.

Ebenfalls Dank gebührt dem ehrenamtlichen Vorstand (neben mir Torsten Eckold und Stefan Walter) und den Mitgliedern des Vereins Geschichtswerkstatt Jena. Sie alle leisten und/oder unterstützen die Arbeit sowie die Projekte unseres Vereins.

Zwei ehemalige Projektmanager waren zugleich Stipendiaten der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dr. Michael Ploenus (2006–2007) und Dr. Henning Pietzsch (2007–2012).

Alle ehemaligen und aktuellen Projektmanager und Mitarbeiter seit 2006 waren/sind wissenschaftlich ausgebildet und wirken im heutigen Vorstand des Vereins mit. Sie bilden das Rückrat der Vereinsarbeit. Das verdeutlicht den eigenen Anspruch unserer Vierteljahresschrift und zeigt die Bindungskraft an den Verein. Mit ihnen allen ist ein Generationenwechsel gelungen und eine Professionalisierung der Arbeit erreicht worden.

Kurz erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang an Manfred Wagner, unser ehemaliges Vorstandsmitglied, der 2011 verstarb. Er wurde schon 2009 von der Bundesstiftung Aufarbeitung für sein jahrelanges ehrenamtliches Engagement geehrt. Ohne ihn wäre ein späterer Übergang der Vereinsleitung an eine neue Generation nicht möglich gewesen.

Die Geschichtswerkstatt Jena bedeutet zugleich mehr als „nur“ unsere Zeitschrift „Gerbergasse 18“. Sie bedeutet zugleich intensive Bildungsarbeit (etwa seit drei Jahren mit dem Projekt „Blickpunkt Mensch“), die langjährige Reihe Zeitzeugenwerkstatt, ein Praktikantenprogramm, regelmäßige Drittmittelprojekte, lokale Kooperationen und zivilgesellschaftliche Verankerung bzw. Vernetzung – regional wie überregional.

Dank gilt nicht zuletzt den vielen Autorinnen und Autoren , aber auch den zahlreichen Abonnenten unserer Zeitschrift – sowie unserer kritischen Leserschaft, national wie international. Sie sind der wohl wichtigste Teil des Erfolges unserer Zeitschrift. Ihnen allen meinen/unseren herzlichen Dank! Wir freuen uns auf die weitere erfolgreiche Zusammenarbeit mit allen Förderern, Autoren und Lesern.

Haben Sie Fragen, Anregungen oder möchten sich ehrenamtlich im Verein engagieren, unsere Arbeit begleiten oder konkrete Projekte durch Spenden unterstützen, dann nehmen Sie gern mit unserem Vereinsbüro Kontakt auf.

Übrigens: Ein Jahresabo der „Gerbergasse 18“ kostet kleine 14 € für vier Hefte inklusive Versand (jederzeit kündbar). Ein Komplettsatz mit allen noch lieferbaren Ausgaben ist für 50 € (inkl. Versand) erhältlich.

Vorstandsvorsitzender Dr. Henning Pietzsch (re.) und die aktuelle Redaktion der „Gerbergasse 18“, Katrin Sauerwein und Daniel Börner (li.).

Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Meldung vom 04. Juni 2019

4. Juni 1989: Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking vor 30 Jahren

Vor 30 Jahren: Am 4. und 5. Juni 1989 beendete ein Massaker in Peking im Umkreis des Platzes des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz) die zaghafte Demokratiebewegung. Bis heute werden die Ereignisse in China tabuisiert und eine Aufarbeitung gezielt verhindert.

Laut aktuellen Aussagen des chinesischen Verteidigungsminsters Wei Fenghe habe die Regierung den „Zwischenfall“ damals „korrekt gehandelt“ und so für „Stabilität und Entwicklung“ des Landes gesorgt. Seit April 1989 kam es zu landesweiten Demonstrationen für Freiheit und Demokratie gegen das autoritäre Regime. Zentrum und Symbol der Proteste war der Tiananmen-Platz, wo sich vor allem Studenten zu Streiks und Demonstrationen versammelten. Die genaue Anzahl von Opfern und Verletzten ist bis heute unbekannt. Auch in der Gegenwart berichten Menschenrechtsorganisationen von Repressalien gegen Beteiligte, Augenzeugen oder deren Verwandte, die oft unter Überwachung oder Hausarrest stehen, um den Kontakt mit unliebsamen Journalisten und eine Berichterstattung zu verhindern.

Im Sommer 1989 kam es zu offiziellen Solidaritätsbekundungen der DDR-Volkskammer mit den Genossen in Peking. Gegen die vertuschende Berichterstattung und Befürwortung von Gewalt seitens des SED-Regimes regte sich lokal Widerspruch, auch aus Angst vor einer "Chinesischen Lösung" – dem Einsatz von Gewalt gegen Massenproteste, die im Herbst 1989 real war.

Ein Plakat von Jürgen Seifert, entworfen und gedruckt im Juni 1989, protestiert gegen die nachrichtliche Verharmlosung und Verfälschung der Situation in Peking durch die monotone DDR-Presse. Im Juli 1994 wurde das Plakat durch Pfarrer Michael Kleim reaktiviert, als Li Peng, als Premierminister verantwortlich für die gewaltsame Niederschlagung des Aufstandes 1989, auf Staatsbesuch in Thüringen weilte. Konfrontiert mit den friedlichen, aber lautstarken Protesten der Bürger gegen ihn, brach er in Weimar seinen Aufenthalt ab.

In der nächsten Ausgabe der „Gerbergasse 18“ (Heft 91) werden wir das eindrucksvolle Protestplakat von Jürgen Seifert zeigen, um an die Ereignisse in Peking 1989 zu erinnern.

 
 
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