Meldungen des Jahres 2019

Meldung vom 04. Juni 2019

4. Juni 1989: Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking vor 30 Jahren

Vor 30 Jahren: Am 4. und 5. Juni 1989 beendete ein Massaker in Peking im Umkreis des Platzes des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz) die zaghafte Demokratiebewegung. Bis heute werden die Ereignisse in China tabuisiert und eine Aufarbeitung gezielt verhindert.

Laut aktuellen Aussagen des chinesischen Verteidigungsminsters Wei Fenghe habe die Regierung den „Zwischenfall“ damals „korrekt gehandelt“ und so für „Stabilität und Entwicklung“ des Landes gesorgt. Seit April 1989 kam es zu landesweiten Demonstrationen für Freiheit und Demokratie gegen das autoritäre Regime. Zentrum und Symbol der Proteste war der Tiananmen-Platz, wo sich vor allem Studenten zu Streiks und Demonstrationen versammelten. Die genaue Anzahl von Opfern und Verletzten ist bis heute unbekannt. Auch in der Gegenwart berichten Menschenrechtsorganisationen von Repressalien gegen Beteiligte, Augenzeugen oder deren Verwandte, die oft unter Überwachung oder Hausarrest stehen, um den Kontakt mit unliebsamen Journalisten und eine Berichterstattung zu verhindern.

Im Sommer 1989 kam es zu offiziellen Solidaritätsbekundungen der DDR-Volkskammer mit den Genossen in Peking. Gegen die vertuschende Berichterstattung und Befürwortung von Gewalt seitens des SED-Regimes regte sich lokal Widerspruch, auch aus Angst vor einer "Chinesischen Lösung" – dem Einsatz von Gewalt gegen Massenproteste, die im Herbst 1989 real war.

Ein Plakat von Jürgen Seifert, entworfen und gedruckt im Juni 1989, protestiert gegen die nachrichtliche Verharmlosung und Verfälschung der Situation in Peking durch die monotone DDR-Presse. Im Juli 1994 wurde das Plakat durch Pfarrer Michael Kleim reaktiviert, als Li Peng, als Premierminister verantwortlich für die gewaltsame Niederschlagung des Aufstandes 1989, auf Staatsbesuch in Thüringen weilte. Konfrontiert mit den friedlichen, aber lautstarken Protesten der Bürger gegen ihn, brach er in Weimar seinen Aufenthalt ab.

In der nächsten Ausgabe der „Gerbergasse 18“ (Heft 91) werden wir das eindrucksvolle Protestplakat von Jürgen Seifert zeigen, um an die Ereignisse in Peking 1989 zu erinnern.

 
 
© Geschichtswerkstatt 2018