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Wer weiß was? Auf der Suche nach der 1982 verschwundenen Skulptur von Michael Blumhagen zum Gedenken an Matthias Domaschk
Am 12. April 1981 starb der 23-jährige Matthias Domaschk in der Untersuchungshaftanstalt Gera des Ministeriums für Staatssicherheit. Matz, wie ihn seine Freunde nannten, gehörte zur oppositionellen Szene von Jena und geriet dadurch ins Visier der Staatsmacht. Nach offizieller Darstellung soll er sich wenige Minuten vor seiner geplanten Entlassung das Leben genommen haben. Zum Todesfall wurde wiederholt und ausführlich geforscht, dennoch sind die genauen Umstände nicht zweifelsfrei geklärt.
Aus Anlass des ersten Todestages errichteten Freunde von Domaschk gemeinsam mit dem Bildhauer Michael Blumhagen auf dem historischen Johannisfriedhof in Jena im April 1982 eine Steinskulptur zu seinem Gedenken. Die sitzende, schutzsuchende Figur („Der trauernde Mann“) trug im Sockel den Namen des Verstorbenen sowie das Geburts- und Todesdatum. Es sollte ein sichtbarer Ort des Erinnerns sein – auch für Menschen von außerhalb.
Vier Männer und ein Lada mit Anhänger
Zeitzeugen zufolge wurde die zentnerschwere Skulptur noch am Tag ihrer Aufstellung von Mitarbeitern der Staatssicherheit in Augenschein genommen. In der Folge sei Druck auf die Kirchengemeinde ausgeübt worden, das Domaschk-Denkmal zu entfernen. Wenige Tage später wurde die Skulptur von vier Personen auf einen Anhänger gehievt und mit einem blauen Lada abtransportiert.
Der Vorgang wurde aus einem benachbarten Gebäude heraus fotografisch dokumentiert. Die Aufnahmen gelangten in die Bundesrepublik und wurden dort unter anderem im „Spiegel“ veröffentlicht. Seitdem ist der Verbleib der Skulptur ungeklärt. Auch die Lebens- und Arbeitsumstände von Michael Blumhagen stehen in engem Zusammenhang mit den Ereignissen. Im Juni 1982 wurde er zum Reservistendienst einberufen. Da er den Dienst an der Waffe verweigerte, wurde er zu sechs Monaten Haft verurteilt. Während dieser Zeit wurde das von ihm bewohnte Bauernhaus in Graitschen baupolizeilich gesperrt und abgerissen, zahlreiche seiner Arbeiten gingen dabei verloren oder wurden zerstört.
45 Jahre nach dem Tod von Matthias Domaschk ist die verschwundene Skulptur nach wie vor von hoher symbolischer Bedeutung. Sie verweist auf einen blinden Fleck im kulturellen Gedächtnis der Stadt Jena und darüber hinaus. Offen ist bis heute, wer den Abtransport konkret veranlasste, welche Institutionen beteiligt waren und welche Rolle kirchliche, städtische oder staatliche Stellen spielten.

Die Skulptur des Bildhauers Michael Blumhagen im Andenken an Matthias Domaschk (1957–1981) wurde im April 1982 vom Gelände des Jenaer Johannisfriedhof gestohlen und ist seitdem verschollen.
Foto: Robert-Havemann-Gesellschaft, RHG_Fo_HAB_11847
Keine Friedhofsruhe
Das Projekt thematisiert die verschwundene Skulptur bewusst ohne die Erwartung an ein bestimmtes Ergebnis. Gesucht werden Hinweise, Dokumente, Erinnerungen und Gespräche. Wer weiß etwas über den Transport der Skulptur mit Sockel? Wer erinnert sich an das Frühjahr 1982 in Jena? Gibt es Unterlagen in Archiven oder privaten Nachlässen, die bislang unbeachtet geblieben sind? Dieser Aufruf versteht sich ausdrücklich als Auftakt für eine ergebnisoffene Recherche, um die Verbringung der Domaschk-Skulptur von Michael Blumhagen zu klären. Die bisherigen Darstellungen stützen sich auf Zeitzeugenberichte, publizierte Fotografien sowie archivalische Quellen, die jedoch Lücken aufweisen und teilweise widersprüchlich sind. Ziel des kollektiven Projektes ist es, vorhandenes Wissen zusammenzuführen und bislang unbekannte Informationen zu erschließen.
Andreas Simon
Pfarrer, Jena
Kontakt (auf Wunsch auch anonym):
Ev.-Luth. Kirchengemeinde Jena
z. Hd. Andreas Simon, Lutherstraße 3, 07743 Jena
Telefon: 03641 573822
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Glashaus-Geschichten gesucht: Wer hat Erinnerungen zum Jenaer Glaspavillon im Paradiespark?
Mit der Aufforderung „Erzähl‘ uns Deine Glashaus-Geschichte!“ startete der Verein Glashaus im Paradies im Frühjahr 2026 einen Aufruf, um Erinnerungen der Jenaer Bevölkerung zum Glaspavillon unweit des Seerosenteichs im Paradiespark zu sammeln. „Besonders spannend wäre es für uns zu erfahren, wie es zu DDR-Zeiten am oder sogar im Glashaus war oder ob sich jemand noch an die Zeit der Erbauung erinnern kann“, sagt Vorstandsmitglied Maren Beljan. Der 2005 gegründete Verein kümmert sich um den Erhalt des Glaspavillons, organisiert Konzerte und forscht zur Geschichte des zeitlos modernen Gebäudes.
Kleinod der Moderne
Im April 1974 zeichnete der aus einer Jenaer Architektenfamilie stammende und in Weimar ausgebildete Architekt Friedhelm Schubring die Pläne für das außergewöhnliche Parkmobiliar, um architektonische Ästhetik mit einer soziokulturellen Funktion zu verbinden. Schubrings Glashaus griff dabei die Idee des Volksparks auf, von Anfang an konzipiert als Gebäude für die Bevölkerung. Der kleinere Baukörper des Ensembles war als Ausgabe für Spiel- und Sportgeräte geplant, während der größere für verschiedene, auch private Veranstaltungen dienen sollte. Nach Jahren des Leerstands und der Verwahrlosung erfüllt das Gebäude mitten im Jenaer Paradies seit 2005 wieder seinen ursprünglichen Zweck. Durch die ehrenamtliche Initiative des Glashaus-Vereins steht der Glaspavillon zudem seit 2005 auf der Landesdenkmalliste Thüringens, weil er ein herausragendes Beispiel für die Adaption der Moderne in der DDR-Architektur
darstellt. Unverkennbar sind die Anleihen, die Schubring, der im September 2023 im Alter von 79 Jahren verstarb, bei Richard Neutra empfing – einem der herausragenden Vertreter der klassischen Moderne in der Architektur. Die markanten Spinnenbeine sowie die rahmenlose gläserne Ecke und die Lichtgestaltung stehen ganz in dieser Tradition. Aber auch durch einen der wichtigsten deutschen Architekten der 1920er Jahre – Ludwig Mies van der Rohe – ist der Jenaer Glaspavillon inspiriert. Als Vorbild ließe sich dessen Barcelona-Pavillon auf der Weltausstellung 1929 benennen.

Das Glashaus im Jenaer Paradiespark. Foto: Archiv Glashaus im Paradies e. V.
Mitten im Jenaer Paradies
Anlässlich des Baubeginns vor 50 Jahren erschien zum Tag des offenen Denkmals 2024 das Buch „Der Glaspavillon im Jenaer Paradies“, das inzwischen nahezu vergriffen ist. Auf rund 100 Seiten wird die architektonische Besonderheit des Gebäudes herausgearbeitet und mit Fotoaufnahmen und historischem Bildmaterial ergänzt. Neue Erkenntnisse, die sich aus dem aktuellen Aufruf des Vereins ergeben, sollen in eine 2. Auflage einfließen. „Natürlich sind auch Erinnerungen nach 1989 sehr willkommen“, meint Vereinsmitglied Armin Huber. Ebenso wären private Fotos vom oder Erlebnisse rund um das Glashaus spannende Quellen zur Nutzungsgeschichte des Gebäudes.
Zum kommenden Denkmalstag am 13. September 2026 sollen die eingehenden Antworten und Nachrichten an den Glasfronten des Glashauses ausgestellt werden. Besuchende können die Schaufenster-Ausstellung dann um eigene Erinnerungen zum Haus erweitern oder die vorhandenen als Gesprächsanlass über Haus und Zeit nutzen. Bereits jetzt arbeitet der Verein an einem Veranstaltungsprogramm zur 50. Wiederkehr der Glashaus-Eröffnung im Jahr 2028.
Nadine Rall
Kunsthistorikerin, Jena
Nachrichten, Hinweise und Erinnerungen erbittet der Verein Glashaus im Paradies an:
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Mehr Informationen zum Jenaer Glaspavillon und zum Glashaus-Verein unter:
www.glashaus-paradies.de oder über den Instagram-Kanal glashaus.im.paradies
