Aktuelle Meldungen und Veranstaltungen

Meldung vom 23. Juli 2026

Jubiläumsausgabe erschienen: 30 Jahre „Gerbergasse 18“ (1996–2026)

Im Sommer 1996 erschien die erste Ausgabe der „Gerbergasse 18“. Eine solche Adresse als Zeitschriftentitel wirkt mitunter sperrig oder zumindest erklärungsbedürftig, denn eine Straße oder Gasse, wo einst die Gerber das Handwerk der Lederherstellung ausübten, gibt es in vielen Städten. Ein Backsteinhaus in der Jenaer Gerbergasse wurde vor rund 30 Jahren zum Vereinsdomizil der Geschichtswerkstatt Jena und wenig später zum Redaktionssitz der neuen Zeitschrift namens „Gerbergasse 18“. Zu dieser Zeit standen die Räume des Gebäudes schon einige Jahre leer, weil die früheren „Mieter“ abrupt ausgezogen waren. Ebendort befand sich – auf einem nach außen blickdicht abgeschirmten Areal – ab Mitte der 1970er Jahre die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Dementsprechend wurde „die Gerbergasse“ vor 1990 in Jena umgangssprachlich mit der Stasi gleichgesetzt. Am 4. Dezember 1989 gelang es mutigen Bürgern im Zuge der Friedlichen Revolution, die Tätigkeit der Geheimpolizei, die sich kurz zuvor in „Amt für Nationale Sicherheit“ umetikettiert hatte, zu beenden und die bereits begonnene Vernichtung von Unterlagen und Beweisen zu stoppen.
Nach Gründung der Geschichtswerkstatt Jena am 17. Juni 1995 – symbolträchtig am Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR – fand der Verein schließlich in der Gerbergasse 18 eigene Räumlichkeiten und es entstand die Idee, nicht nur regelmäßig Vorträge, Ausstellungen und Bildungsveranstaltungen zu organisieren, sondern auch eine eigene Publikation herauszugeben. An dem vormals angsteinflößenden Ort, wo über Lebensläufe und Laufbahnen entschieden wurde, wo Berichte angelegt, Menschen gedemütigt und „Zersetzungen“ geplant wurden, sollte ein Periodikum für die historisch-politische Aufarbeitung entstehen. Damit wurde beabsichtigt, dass „Themen der regionalen Geschichte unter besonderer Berücksichtigung Jenas während der zwei Diktaturen dieses Jahrhunderts öffentlichkeitswirksam behandelt werden“, wie es in der ersten Vereinssatzung hieß.
Ein Jahr später lag die erste Ausgabe der fortan vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift vor, in den ersten zehn Jahren mit dem Untertitel „Forum für Geschichte und Kultur“. Das Editorial im Heft 1 skizzierte mit dem programmatischen Titel „Gegen Geschichtsklitterung“ das Profil und die Ausrichtung. Hier wurde kein Rundbrief eines gemütlichen Geschichts- oder Heimatvereins eingeleitet, sondern die Sichtbarmachung der doppelten Diktaturvergangenheit, das Benennen der Täter sowie das Ausleuchten tabuisierter Bereiche der Stadt- und Regionalgeschichte angemahnt. Zugleich entwickelte sich der Verein zu einer Anlaufstelle für Geschichtsinteressierte und Betroffene von SED-Unrecht.
Der Zeitschriftenname wurde allmählich zum Markenkern und das Werkstattprojekt konnte sich in den zurückliegenden drei Jahrzehnten – auch über Thüringen hinaus – etablieren. Viele Personen und Institutionen haben im Vorder- und Hintergrund dazu beigetragen, dass die Vierteljahresschrift durchgehalten und überlebt hat – durch vielfältige Förderung, Unterstützung und Mitarbeit. Nicht zuletzt gilt denen unser Dank, die die Zeitschrift lesen, abonnieren, empfehlen, weiterreichen und kritisch begleiten. 30 Jahre „Gerbergasse 18“ bieten den Anlass und den Rahmen, in diesem erweiterten Jubiläumsheft auf Geschichte und Gegenwart der Zeitschrift zu blicken.
Der einstige Gebäudekomplex der Staatssicherheit ist längst überbaut und wird heute von der Jenaer Stadtverwaltung genutzt. Das frühere Stasi-Gebäude in der Gerbergasse wurde 2007 abgerissen. Geblieben ist die „Gerbergasse 18“, um alten und neuen Formen der Geschichtsklitterung, dem Schönreden der Diktatur und der Verharmlosung von politisch motiviertem Unrecht entgegenzutreten.

Das Inhaltsverzeichnis und einige Leseproben der Jubiläumsausgabe finden Sie HIER.

Das Heft ist wie üblich im lokalen Buchhandel, an ausgewählten Verkaufsorten sowie direkt bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Meldung vom 24. April 2026

Wer ist auf dem Internationalen Bergwanderweg der Freundschaft Eisenach–Budapest (EB) gewandert?

Für meine Masterarbeit zum ersten "sozialistischen Fernwanderweg" suche ich Interviewpartnerinnen und -partner, die zwischen 1983 und 1989 auf dem „Internationalen Bergwanderweg der Freundschaft Eisenach-Budapest“, in der Wanderszene mit EB abgekürzt, unterwegs waren. Speziell richtet sich die Anfrage an Personen, die auch die Streckenabschnitte in Polen und in der Tschechoslowakei zurückgelegt haben. Im Gespräch soll es um die Wandermotivation, die getroffenen Vorbereitungen sowie persönliche Erlebnisse während der Reise gehen. BITTE melden Sie sich bei Interesse bei mir, Marie Bullerschen, per E-Mail mit Angaben zum Zeitraum Ihrer Wanderung(en) und zu den von Ihnen bereisten Ländern. Ich freue mich auf Ihre Nachricht!

Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Hinweisschild zum Europäischen Fernwanderweg E3, der auf den "Internationalen Bergwanderweg der Freundschaft Eisenach–Budapest" (EB) zurückgeht, in der Drachenschlucht bei Eisenach, März 2026. Foto: Marie Bullerschen

 

 
 
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